Ceylon war einmal eine Kaffeeinsel – bis ein Pilz alles veränderte
Orangefarbene Flecken auf den Blättern. Erst wenige, dann ganze Hänge. Und eine Insel, deren wichtigste Pflanze langsam stirbt.
Das Land, das wir heute vor allem mit Tee verbinden, war im 19. Jahrhundert ein Kaffeeland. Dann kam ein Pilz, und innerhalb weniger Jahrzehnte war das Geschäft ein anderes. Wer heute einen Ceylon OP Nuwara Eliya aufgießt, trinkt auch das Ergebnis dieser Katastrophe.
Kurz zusammengefasst
- Ceylon heißt seit 1972 offiziell Sri Lanka. Im 19. Jahrhundert wurde dort vor allem Kaffee angebaut.
- Der Kaffeerost wurde 1867 erstmals in den wichtigen Anbaugebieten gemeldet, 1869 wissenschaftlich beschrieben. Bis 1890 war die Kaffeeindustrie nahezu zerstört.
- Der Tee kam ab 1867 durch den britischen Pflanzer James Taylor auf die Insel und wuchs nach dem Kaffeesterben schnell.
- Heute ist Sri Lanka der viertgrößte Teeproduzent der Welt.
- Hochland und Tiefland schmecken verschieden: Hochlandtees gelten als hochwertig, Tiefland-Tees sind deutlich herber.
- Zubereitung Ceylon OP: 12 g pro Liter, 100 °C, 3–5 Minuten.
Eine Insel voller Kaffee
Als der Schotte Robert Fortune China den Tee stahl, wie wir im Artikel Der Mann, der China den Tee stahl erzählt haben, war Ceylon noch kein Teeland. 1852 kommt der britische Pflanzer James Taylor auf die Insel. Das Geschäft, auf das die Pflanzer setzen, ist der Kaffee.
Wie groß dieses Geschäft war, zeigt eine Zahl aus der Zeit des Zusammenbruchs: Die Anbaufläche schrumpfte laut einer Angabe von rund 68.800 auf rund 14.200 Hektar. Die Angabe ist nicht genau datiert, aber das Ausmaß ist klar.
Orange Flecken, ein Pilz und kein Ausweg
1867 wird der Kaffeerost erstmals in den wichtigen Kaffeeanbaugebieten Ceylons gemeldet. Im November 1869 beschreiben die Mykologen Berkeley und Broome die Krankheit im „Gardeners Chronicle“ und geben ihr einen Namen: Hemileia vastatrix, die Verwüsterin.
Dann geht es schnell. Die Erträge sinken laut einer Angabe um etwa drei Viertel. Die Krankheit hält die asiatische Kaffeeproduktion über mehr als zwanzig Jahre in Atem. Bis 1890 ist die Kaffeeindustrie in Sri Lanka nach den vorliegenden Angaben nahezu zerstört. Viele Plantagen geben auf oder stellen auf Kulturen um, die der Pilz nicht befällt.
Taylors Wette auf Tee
Im selben Jahr, in dem der Rost erstmals gemeldet wird, führt James Taylor den Teeanbau auf der Insel ein: 1867. Ob das Plan oder Zufall war, geben die Quellen nicht her. Sicher ist: Als der Kaffee zusammenbricht, gibt es eine Alternative.
Die Teeindustrie wächst danach schnell. 1925 gründet die Insel ein eigenes Tea Research Institute. 1995 ist Sri Lanka der weltweit größte Teeexporteur mit 23 % der globalen Exporte. 2013 erreicht die Produktion mit 340 Millionen Kilogramm ihren Höchstwert.
Manche Historiker sehen in der Geschichte noch etwas anderes: einen möglichen Grund dafür, dass die Briten bis heute lieber Tee als Kaffee trinken. Belegen lässt sich das nicht, aber es ist ein Gedanke, den man mit der nächsten Tasse im Kopf haben kann.
Höhe macht den Unterschied
Der Tee aus dem zentralen Hochland, kühl und regenreich, bringt die hochwertigen Tees hervor. Das Tiefland rund um Matara, Galle und Ratnapura liefert Tees, die deutlich herber sind. Eine Spezialität sind die Hochlandtees aus Nuwara Eliya, die weltweit Abnehmer finden.
Genau dort kommt der Ceylon OP Nuwara Eliya her. Er ist unaromatisiert, rein Ceylon-Schwarztee, und wird beschrieben als lebendig und aromatisch, mit vollem Körper und angenehmem Nachgeschmack. Eine Tasse mit mehr Frische und Spritzigkeit als die Schwarztees, die man von Assam kennt.
| Tee | Herkunft | Charakter | Menge | Temperatur | Ziehzeit |
|---|---|---|---|---|---|
| Ceylon OP Nuwara Eliya | Nuwara Eliya, Sri Lanka | lebendig, aromatisch, angenehmer Nachgeschmack | 12 g/l | 100 °C | 3–5 Min. |
| Soul of Sri Lanka | Sri Lanka (Ceylon OP mit Zimt und Gewürzen) | warm, würzig, zimtbetont | 12–15 g/l | 100 °C | 3–5 Min. |
Heute: vom Pilz zum Exportschlager
Aus der Notlösung ist eine Schlüsselbranche geworden. Sri Lanka ist heute der viertgrößte Teeproduzent der Welt. Tee trägt etwa 2 % zum Bruttoinlandsprodukt bei und sichert direkt oder indirekt über eine Million Menschen den Lebensunterhalt. 2020 lag das Land bei den Exporterlösen aus Tee auf Platz zwei, hinter China.
Auch hier gehört zur Geschichte: Die Plantagen wurden zu einem großen Teil von Arbeiterfamilien aufgebaut, die die Briten aus Südindien auf die Insel geholt hatten. Ihre Nachkommen arbeiten bis heute im Hochland.
Wer die Insel würzig schmecken möchte, probiert den Soul of Sri Lanka. Er kombiniert Ceylon-OP-Schwarztee mit Zimt und weiteren Gewürzen. Warum der Zimt darin eine eigene Geschichte hat, steht im Beitrag Zimt ist nicht gleich Zimt.
Mythencheck: Drei Sätze über Ceylon-Tee
„Sri Lanka war schon immer Teeland.“ Nein. Bis ins späte 19. Jahrhundert war es vor allem Kaffeeland. Der Tee kam erst ab 1867 und setzte sich nach dem Kaffeesterben durch.
„Ceylon ist ein anderes Land.“ Ceylon ist der alte Name der Insel. Seit 1972 heißt sie Sri Lanka. Der Name „Ceylon“ lebt als Gütesiegel weiter, und so heißt auch der Tee.
„Ob Hochland oder Tiefland, ist doch egal.“ Ist es nicht. Höhe und Klima prägen den Geschmack: Hochlandtees gelten als hochwertig, Tiefland-Tees schmecken deutlich herber.
Der schnelle Check: Welcher Ceylon passt wann?
- Hell, lebendig, pur: Ceylon OP Nuwara Eliya (3–5 Min.)
- Warm und würzig an kalten Tagen: Soul of Sri Lanka (3–5 Min.)
- Kräftig und malzig statt spritzig: Assam Tippy Golden FOP (3–4 Min.)
Häufige Fragen zum Ceylon-Tee
Warum heißt es Ceylon-Tee, wenn das Land Sri Lanka heißt?
Ceylon ist der frühere Name der Insel. Seit 1972 heißt das Land offiziell Sri Lanka. Der Name Ceylon ist als Bezeichnung für den Tee geblieben.
Warum wuchs auf Ceylon früher Kaffee?
Im 19. Jahrhundert war Kaffee das wichtigste Anbauprodukt der Insel. Erst der Kaffeerost zerstörte die Pflanzungen und machte den Weg frei für den Tee.
Wie schmeckt Ceylon-Tee?
Aus dem Hochland meist lebendig, frisch und aromatisch, aus dem Tiefland deutlich herber. Der Ceylon OP Nuwara Eliya wird als aromatisch mit vollem Körper und angenehmem Nachgeschmack beschrieben.
Wie bereitet man Ceylon-Tee zu?
Für den Ceylon OP Nuwara Eliya nennt die Packung 12 g pro Liter, 100 °C und 3–5 Minuten Ziehzeit. Für Soul of Sri Lanka sind es 12–15 g pro Liter, 100 °C und 3–5 Minuten.
Enthält Ceylon-Tee Koffein?
Ja. Ceylon-Tee ist Schwarztee und enthält natürliches Koffein.
Der Gedanke, der bleiben soll
Manche Teeländer beginnen mit einem Plan. Dieses begann mit einer Katastrophe. Wer heute einen Ceylon aufgießt, trinkt auch die Antwort auf die Frage, was man pflanzt, wenn der Kaffee stirbt.
Weiterlesen: Der Mann, der China den Tee stahl – und was davon heute in deiner Tasse steckt